Was waren für dich die bewegendsten Momente in Sierra Leone?
Es gibt für mich gar nicht „den“ bewegendsten Moment - alles in mir und um mich herum war irgendwie bewegt und bewegend ... Seien es die dankbaren Blicke der Mütter den Ärzten gegenüber, die ihre schwerkranken Kinder retten konnten, sei es der noch schweißfeuchte Rücken einer jungen Frau, über den ich gestrichen habe, kurz nachdem sie, unter einfachsten Bedingungen, ein Zwillingspärchen geboren hatte, wovon aber nur der kleine Junge überlebte, sei es die vielleicht 13-Jährige Maybelle, die meine Hand nahm, um mich - nur wenige Schritte entfernt von unserem Klinikgelände, wo sie mit vielen anderen Mädchen die dort gelegene Schule besucht - zum kaum drei Tage alten Grab der Mutter einer Schulkameradin zu führen und mich auf diese Weise zu bitten, das Schulgeld für die deutlich jüngere Freundin und Halbwaise zu übernehmen.
Was möchtest du mit deiner Patenschaft erreichen?
Tja was will ich bzw. auch viele andere in ähnlicher „Mission“ mit einer solchen Patenschaft erreichen ... zunächst will man Aufmerksamkeit schaffen. Aufmerksamkeit für dieses eine besondere Projekt, dass einem am Herzen liegt, von dem man überzeugt ist. Ich versuche das, indem ich einen Reisebericht geschrieben habe, um so das Erlebte mit Menschen - die sich nicht selber vor Ort ein Bild machen können - zu teilen. Natürlich geht es auch ganz konkret ums Spenden, denn die German Doctors sind auf Spenden angewiesen - sowohl materieller, als auch nicht-materieller Art. Am Ende ist jeder gespendete Taler, jeder Arzt, den man für einen Einsatz vor Ort gewinnen kann, aber auch jedes Auge, jedes Herz, welches sich für die Nöte und Belange eines Landes wie Sierra Leone öffnen lassen, ein großer Erfolg.
Hat dieser Besuch auch die Sicht auf dein eigenes Leben ein bisschen verändert?
Sicher hat dieser Besuch in Sierra Leone, wie auch schon mein erster vor drei Jahren, die Sicht auf das eigene Leben verändert. Es ist das alte, dennoch ewig gültige Lied: Alles, was für mich - einer in einem „reichen“ Land lebenden Person - selbstverständlich ist, ist es in weiten Teilen der Erde ganz und gar nicht. Der direkte Kontakt macht dies natürlich noch deutlicher, noch schmerzlicher bewusst, so dass das erlebte Wissen darum ein ständiger Begleiter bleibt und auch der Wunsch daran etwas zu ändern. Angefangen beim Dach über dem Kopf, Trinkwasser aus dem Hahn, Strom aus der Steckdose, ausreichend Essen, Hygiene, Kleidung, Bildung bis eben hin zu einem privilegierten Gesundheitssystem: kein Kind muss hier an Tetanus, an einem Beinbruch, an einem Durchfall - keine Mutter mehr im Kindbett sterben.
Weitere Informationen:
https://hendrikjefitzinserabu.wordpress.com
Titelbild: Hendrikje Fitz im Krankenhaus in Sierra Leone der German Doctors e.V.: “Sicher hat dieser Besuch in Sierra Leone, wie auch schon mein erster vor drei Jahren, die Sicht auf das eigene Leben verändert.” Foto: Thomas&Thomas/Boris Lajos