
Als gebürtige Argentinierin wusste ich schon immer, das unser langer Nachbar Chile anders war. Wie anders erfuhr ich allerdings als ich jetzt zum ersten Mal hinfuhr. Obwohl wir die gleiche Sprache sprechen und die Geschichte des Landes auch von Spaniern und Italienern stark über die Jahrhunderte hinweg geprägt wurde, sind die Chilenen ein viel disziplinierteres Volk, ordentlicher und - mindestens heutzutage nicht - von Korruption so zerrüttet wie Argentinien es seit Jahrzehnten ist.
Nach meiner Ankunft bin ich direkt zu Freunden in den Süden nach Temuco gefahren. Die ca. 800 km bin ich mit einem Nachtbus (Züge gibt es nicht!) im Liegesessel gefahren. Gar nicht mal so anstrengend. Alles ist gut organisiert, mit Kopfkissen und Decke - sogar ein kleines Fruehstück ist mit inbegriffen.
Temuco wurde mein Stützpunkt für Ausflüge nach Valdivia am Meer mit seinen fast zahmen Seelöwen; in die Vulkangegenden von Puerto Varas und Villarica – leider war das Wetter absolut mies und von strahlenden Bergen und Seen keine Spur - war alles nur grau in grau. Aber was tut man in so einem Wetter? Man geht baden.
Mir wurden die heißen Quelle in Huife empfohlen, außerhalb von Pucón. Nach einer 2-stündigen Fahrt auf sehr guten Straßen, begleitet von chilenischer Popmusik, fand ich ein entzückendes Dorf, das mich sogleich an Bayern erinnerte: die Häuser aus Holz, mit viel Schnitzwerk und Gemütlichkeit. Theoretisch könnte man morgens auf dem Vulkan Skifahren oder Snowboarden und abends in die Therme gehen. Aber bis dorthin waren es noch 35 Kilometer über kurvenreiche Straßen, bergauf und bergab. Endlich angekommen! Verglichen mit einer deutschen Ausstattung, war es etwas einfach – nur vier Becken, eine kleine Sauna – aber die Atmosphäre war herrlich! Zumal es anfing zu schneien und es gibt nichts Schöneres als im natürlich heißen, Bikarbonat-, Sodium-, und Kaliumhaltigen Wasser zu schwelgen. Danach ging es aber schnell ins Warme!
Von Zenaida des Aubris
Bildtext: Vulkangegend von Puerto Varas und Villarica. Foto: Zenaida des Aubris