
Neben der malerischen Lage im Neckartal und der günstigen Verkehrsanbindung beeindrucken vor allem die steilen, Sonnen beschienenen Weinberge, die Esslingen umgeben.
Ob die Weinreben ursprünglich von den antiken Römern oder von mittelalterlichen Benediktinermönchen nach Esslingen gebracht wurden, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Fest steht aber, dass sich Esslingen bereits zu Zeiten Karls des Großen als Zentrum des Weinbaus und -handels etablierte. Von da an nahm die inoffizielle "Hauptstadt des Weinbaus" einen stetigen Aufstieg. Die Lage am mittelalterlichen Haupthandelsweg von Flandern nach Italien, der bei Esslingen den Neckar überquerte, tat ein Übriges, dass der Wein zum wichtigen Exportgut wurde und den Ruhm der Weingärtner in die Metropolen Europas trug. Esslinger Wein wurde schon im Mittelalter in Innsbruck und Wien ebenso getrunken wie in Paris.
So war es nur konsequent, dass Kaiser Karl der Große um 800 der Gemeinde als einer der ersten deutschen Siedlungen das Marktrecht verlieh. Wegen seiner strategisch günstigen Verkehrslage wurde Esslingen dann vermutlich im Jahr 1228 durch den staufischen König Heinrich (VII.), den Sohn und Mitregenten Kaiser Friedrichs II., zur Stadt erhoben. Die Berühmtheit des Esslinger Weines findet auch darin ihren Ausdruck, dass der ca. 300 Liter fassende, so genannte "Esslinger Eimer" im süddeutschen Raum lange Zeit als allgemein verbindliche Maßeinheit galt.
Der Weinbau war auch die Grundlage für Esslingens Bedeutung als aufstrebender und reicher ‚Klosterstadt‘. Die ungewöhnlich dynamische Entwicklung der Stadt im Mittelalter spiegelte sich in der Gründung von sechs Bettelordensklöstern wider. Vom Wohlstand angelockt, richteten zudem auswärtige Klöster und andere geistliche Institutionen Pfleghöfe als Wirtschaftsfilialen zur Verwaltung des Weines in der Stadt ein. Von hier aus verwalteten sie ihren Besitz und Einkünfte im Stadtgebiet und der näheren Umgebung. Schließlich verfügte die Stadt über elf Pfleghöfe, von denen heute noch neun erhalten sind. Auf einzigartige Weise lässt sich die Vielfalt kirchlicher Bauten in der Esslinger Altstadt erleben, die von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges verschont blieb.
Die große kulturgeschichtliche Ausstellung "Zwischen Himmel und Erde" erinnert in der Esslinger Franziskanerkirche am Blarerplatz vom 27. September 2009 bis zum 31. Januar 2010 daran, dass Esslingen dank des Weinbaus einst eine reiche ‚Klosterstadt‘ war. Die Ausstellung wird die Geschichte und Funktion der kirchlichen Bauten ebenso darstellen, wie Einblicke in das Alltagsleben der Mönche und Nonnen geben. Über das ganze Jahr laden zudem Feste und Veranstaltungen ein, Wein- und Klosterkultur in einer der faszinierendsten Städte Baden-Württembergs zu erleben.
CAB
Weitere Informationen:
www.stadtkirche-esslingen.de/..
Bildtext: Pfleghöfe in Esslingen am Neckar.
(Der Link wurde am 19.08.2009 getestet.)