Brikada - Magazin für Frauen

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Grüner Star - das unterschätzte Risiko

03.05.2005

Die Initiative Auge e.V. als größter Verband von Glaukom-Patienten, der Bundesverband der Augendiagnostikzentren e.V. und das Deutsche Grüne Kreuz e.V. möchten daher die Menschen, besonders alle ab dem 40. Lebensjahr motivieren, sich mehr um ihre Augengesundheit zu kümmern und die Vorsorgeangebote beim Augenarzt stärker als bisher in Anspruch zu nehmen. Werden die Symptome für das Glaukom frühzeitig erkannt und eine wirksame Behandlung eingeleitet, kann das Fortschreiten der Erkrankung erfolgreich aufgehalten werden. Geschieht dies nicht, drohen schwerwiegende Ausfälle des Sehvermögens bis hin zur Erblindung. Solche Schicksalsschläge müssten nicht sein, wenn alle gut über das Krankheitsbild und die Früherkennung informiert wären.

Verursacher des Glaukoms ist ein Überdruck im Innern des Auges. Dieser kann durch eine Früherkennungs- untersuchung beim Augenarzt leicht festgestellt werden. Doch viel zu wenige Menschen nutzen noch diese Chance. Der Grüne Star raubt das Augenlicht schleichend und heimtückisch. Das Sehvermögen schwindet zuerst punktuell, dann breiten sich diese Lücken im Gesichtsfeld flächenartig aus. Schmerzen treten keine auf, und scharf sehen kann man noch relativ lange, weshalb die Krankheit oft erst viel zu spät bemerkt wird. Was bis dahin aber am Sehnerv zerstört ist, läßt sich auch durch die beste Therapie nicht wieder herstellen " ganz im Gegensatz zur Behandlung des Grauen Stars. Frühzeitig erkannt und mit modernen Medikamenten (Augentropfen) behandelt, kann der Krankheitsverlauf rechtzeitig gestoppt werden. Wer also über 40 Jahre alt ist, sollte deshalb unbedingt einmal jährlich zur Kontrolle den Augenarzt aufsuchen. Darüber hinaus bieten Augendiagnostikcenter (ADC) modernste Verfahren zur Früherkennung und Therapiekontrolle.

Nun liegt die Frage nach den Risikofaktoren nahe. Hier werden genannt: das Alter (nach 40 steigt die Häufigkeit der Erkrankungen), Vererbung (vieles spricht dafür, deshalb besonders wachsam sein, wenn in der Familie schon ein Glaukomfall auftrat), andere Erkrankungen wie starke Kurzsichtigkeit oder die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Moderne Untersuchungsmethoden sind schnell und schmerzfrei. Am wichtigsten ist die Untersuchung von Augenhintergrund und Sehnerv. Große Fortschritte hat hier die Laser-Technologie gebracht. Mit Hilfe der sogenannten "Laser-Scanning-Tomographie" (HRT) kann der Arzt verschiedene Schichten der Netzhaut oder des Sehnervs darstellen, ohne den Augapfel überhaupt zu berühren. Ein angeschlossener Computer berechnet die Daten und setzt diese zu einem dreidimensionalen Bild zusammen.

Wird der Augeninnendruck nicht durch spezielle Augentropfen wieder deutlich und dauerhaft gesenkt, droht die Erblindung. Bis Mitte der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts war das Arzneimittel-Arsenal der Augenärzte im Kampf gegen das Glaukom noch sehr eingeschränkt. Wenn Medikamente nicht mehr ausreichten, war deshalb eine Augenoperation der letzte Ausweg. Aber auch mit solchen Eingriffen läßt sich der Grüne Star in vielen Fällen nicht dauerhaft stoppen. So kann etwa bei jedem zweiten Patienten schon nach einem Jahr erneut eine medikamentöse Therapie notwendig werden. Nach wirksameren Glaukom-Arzneien wurde deshalb intensiv geforscht. Seit Augentropfen einer völlig neuen Wirkstoffklasse in den USA entwickelt wurden " als erstes das Latanoprost, das seit 1997 auch bei uns zugelassen ist " hat sich die Anzahl der Glaukom-Operationen erheblich verringert. Da der Wirkstoff den Augeninnendruck über 24 Stunden konstant senkt, müssen die Tropfen nur einmal täglich angewendet werden, was für die Patienten die Einhaltung der Einnahmevorschriften sehr erleichtert. Und die regelmäßige Anwendung ist schließlich die wichtigste Voraussetzung für jede erfolgreiche Glaukombehandlung.

Die Initiative Auge und das Deutsche Grüne Kreuz bieten ganzjährig eine Glaukom-Hotline an, über die sich Glaukompatienten Rat holen können.
Weitere Informationen: Tel: 0800-0112118.
Dr. Isolde Bräckle