Brikada - Magazin für Frauen

Brikada

Lärm nervt und macht krank

15.04.2005

Lärm muss nicht ohrenbetäubend sein, um Stress auszulösen. Auch die ständige Berieselung durch Straßenverkehrslärm oder rhythmische Techno-Musik aus der Nachbarwohnung können unsere Gesundheit beeinträchtigen. Dabei werden bestimmte Hormone ausgeschüttet, die den Blutdruck ansteigen lassen. Auch wenn wir uns an die Geräusche von Autos, Bahnen und Flugzeugen gewöhnt haben, reagiert unser Körper auf den
ständigen Lärmpegel, vor allem bei Nacht. Wie Studien des Forschungsverbundes Lärm & Gesundheit der drei Berliner Universitäten belegen, erhöht er das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien, Bluthochdruck und Migräne. Wer also dem Lärm nicht ausweichen kann,
sollte einen Gehörschutz tragen, zum Beispiel Gehörschutzstöpsel vom Hörgeräteakustiker, oder sich schalldichte Fenster anschaffen.

62 Prozent der Bundesbürger fühlen sich durch Lärm nachhaltig gestört. Da auch der Staat das weiß, wird in Deutschland sehr viel Geld für Lärmschutz ausgegeben, allein im Jahr 2003 acht Prozent des gesamten Umsatzes für Umweltschutz, nämlich 975 Millionen Euro.

Für durch Baulärm gestresste Mieter ist wichtig zu wissen, dass man diesen nicht einfach hinnehmen muss. Baulärm wegen Sanierung kann eine Minderung der Kaltmiete bis zu 50 Prozent rechtfertigen. Auch wegen einer Lärmbelästigung nach 22 Uhr von einer Kneipe oder Disco in der Nachbarschaft kann die Miete um 30 Prozent gemindert werden. Disco-Besuchern selbst empfehlen die Hörforscher, "Lärmpausen" zu machen, nämlich zwischendurch "mal raus zu gehen, damit die Ohren sich erholen können". Weitere Tipps, um Gehörschäden durch Lärm zu vermeiden: Heimwerker brauchen grundsätzlich dieselbe Schutzausrüstung wie ein Profi-Handwerker, zum Beispiel bei Arbeiten mit der Kreissäge oder dem Winkelschleifer, stellte das Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin fest.
Sogar Lärm, den Eltern gerne tolerieren, wenn er vom eigenen Nachwuchs kommt, kann die Gesundheit stören, wenn man ihm im Übermaß ausgesetzt ist, nämlich der Lärm spielender und tobender Kinder. So sind zum Beispiel Erzieherinnen in Kindergärten und Vorschulen einer ständigen Geräuschkulisse von 80 bis 85 Dezibel ausgesetzt. In Industriebetrieben ist bei solchen Geräuschpegeln Gehörschutz vorgeschrieben! Auch 70 Prozent der Lehrer seinen einer dänischen Studie zufolge lärmgeschädigt " 10 Prozent mehr als Mechaniker und
Holzfäller.

Interessant ist eine Tatsache, die japanische Hörforscher bei der Untersuchung von Stahlarbeitern herausgefunden haben: wer regelmäßig raucht, ist durch Lärm gefährdeter als Nichtraucher. Rauchen erhöht die Gefahr, einen Hörverlust zu erleiden, um 77 Prozent. Ein möglicher Grund ist, dass Rauchen den Sauerstoffbedarf des Körpers erhöht und zugleich die Versorgung der sogenannten Schnecke im Innenohr mit Sauerstoff vermindert und so deren Leistung beeinträchtigt. brä

Weitere Fragen zum Thema Lärm, Gehörschäden und Gehörschutz beantwortet das Beratungstelefon der Fördergemeinschaft Gutes Hören. Jeden Mittwoch von 14-16 Uhr stehen Hörakustiker (0800-0112 112) und HNO-Ärzte (0800-0112 113) für die individuelle Beratung am Telefon bereit. Die Anrufe sind gebührenfrei. Ausführliche Informationen zum Thema Lärm und Gehörschutz bietet auch die Broschüre "Hörvergnügen mit Sicherheit", die gegen Einsendung eines mit 1,10 Euro frankierten und adressierten Rückumschlags bestellt werden kann bei der
Fördergemeinschaft Gutes Hören, Stichwort Gehörschutzbroschüre, Untere Kanalstr. 1a, 90530 Wendelstein.